In dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder taktischer Feinheiten genau untersucht... Toranalyse zur 23. Runde der tipico Bundesliga 2014/2015 | Grünwald, Dobras, Minamino
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TaktikIn dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder taktischer Feinheiten genau untersucht und analysiert werden. In der Toranalyse zur 23. Runde nimmt abseits.at die Treffer von Alexander Grünwald (Austria Wien), Kristijan Dobras (Wr. Neustadt) und Takumi Minamino (Red Bull Salzburg) unter die Lupe.

SK Sturm Graz – FK Austria Wien 0:1, Alexander Grünwald (59. Minute)

Mit einem späten 2:1-Sieg befeuerte der SK Sturm Graz die Diskussionen um eine Ablöse von Gerald Baumgartner als Austria-Coach. Drei von vier Frühjahrpartien gingen unter der Leitung des 50-Jährigen verloren. In der Grazer UPC-Arena spielte sein Team bis zum Ausgleich gut mit, erspielte sich dank hohem Pressing die eine oder andere gute Möglichkeit. Auch der Führungstreffer entstand aus einen Umschaltspiel, der aber an und für sich nicht konsequent ausgespielt wurde und erst durch einen ausgezeichneten Abschluss vollendet wurde.

Daniel Royer (blau) lässt sich hier sehr gut zurückfallen. Im Dribbling setzt er sich gegen seinen Gegenspieler durch und kann in den offenen Raum vordringen. Dass die Zentralachse so frei ist, liegt einerseits daran, dass Anel Hadzic (grün), das Herausrücken seines Nebenspielers nicht antizipiert bzw. nicht absichert, und andererseits am konservativen Verhalten der Abwehr, die, wie gewohnt unter Franco Foda, zurückweicht. Durch das Zurückziehen versuchen sie, das Spiel zu verzögern, was in dieser Situation sehr schwer ist, da die Austria gut umschaltet.

Hier sieht man den großen Abstand zwischen Sturms Abwehr und Mittelfeld sehr gut, den die Austria neben Royer auch noch mit Alexander Gorgon (schwarz) besetzt. Ein Pass auf den eingerückten Flügelspieler würde die Viererkette der Gastgeber vor noch größere Probleme stellen, da er zentraler steht und bessere Passwinkel auf seine Mitspieler hat als Royer. Weiteres erkennt man die guten unterstützenden Bewegungen der anderen beteiligten FAK-Spieler.

Markus Suttner (weiß) kommt mit Tempo aus der eigenen Hälfte und bietet auf der linken Seite Breite an. Rechts tut dies Grünwald (gelb), der von seiner nominellen Position im Zentrum nach außen geht und so den Linksverteidiger von Sturm bindet. Der horizontale Lauf von Philipp Zulechner (rot) ist in dieser Situation vielleicht der unspektakulärste, aber effizienteste, da er damit die Aufmerksamkeit aller drei ihn umgebenden Gegenspieler auf sich zieht. Sturm hat in diesem Moment überhaupt keinen Zugriff und ist abhängig von Royers Entscheidungsfindung, die hier schlecht ist.

Royer nimmt die potenzielle Dynamik nicht an, sondern hält den Ball und dribbelt weiter. Wie man im obigen Bild sieht, sind die sehr günstigen Passwinkel auf seine Mitspieler mittlerweile weg. Gorgon hat im Zentrum weniger Platz, könnte bei einem Anspiel sowohl von vorne als auch hinten attackiert werden. Er müsste das Spiel wohl verzögern, wenn er den Ball halten will. Pässe in den Lauf von Suttner und Zulechner sind kaum zu bewerkstelligen, da sie präzise an jeweils zwei Grazern vorbei zu spielen sind.

Grünwald wurde indes nach außen gedrängt und ihm kann der Ball nur in den Fuß gespielt werden. Dies passiert letztlich auch. Er macht einen Haken zurück, wodurch Sturm wieder in eine günstigere Situation kommt. Jedoch trifft Grünwald den Ball perfekt und zirkelt in unhaltbar ins Netz der Blackies.

SV Scholz Grödig – SC Wiener Neustadt 0:1, Kristijan Dobras (40. Minute)

Nachdem der Rasen des eigenen Stadions unbespielbar ist, musste der SV Grödig für das Spiel gegen den SC Wiener Neustadt in die Red Bull Arena ausweichen. Nur gut 800 Zuschauer sahen dabei den zweiten Sieg in Folge des SC Wiener Neustadt, der damit die rote Laterne an Admira Wacker Mödling abgab. Einen starken Auftritt lieferte dabei wieder das neue Offensivtrio um Dominik Hofbauer, Philip Hellquist und Kristijan Dobras. Die beiden Letztgenannten erzielten beim 3:1-Erfolg auch jeweils ein Tor. Die Ursachen für jenes von Dobras sehen wir uns genauer an.

Hellquist (blau) zeigt hier, dass er sowohl physisch robust ist als auch mit dem Ball umgehen kann. Zuerst deckt er ihn gut ab, dann geht er ins Dribbling mit seinem Gegenspieler. Damit zieht er die Aufmerksamkeit von gleich drei Grödigern auf sich. Im Rückraum ergibt sich indes sehr viel Raum für die nachstoßenden Wiener Neustädter, da das Mittelfeld der Salzburger nicht konsequent zurückarbeitet. So ist Dobras (gelb) bei seinem Abschluss komplett frei und kann sein fünftes Saisontor erzielen.

Admira Wacker Mödling – FC Red Bull Salzburg 0:3, Takumi Minamino (69. Minute)

Die Admira verlor ihr Heimspiel gegen Red Bull Salzburg trotz rund 70-minütiger Überzahl klar mit 1:4 und ist nun das Schlusslicht der Bundesliga. Die Niederösterreicher kamen gegen den Tabellenführer kaum in die Zweikämpfe bzw. sicherten solche nicht genügend ab – ein Problem, das man bei einigen Teams im Spielen gegen die Bullen sieht und vor allem auf dessen ausgereifte Spielanlage zurückzuführen. Jedoch hatte die Admira zudem auch noch mit eigenen, grundlegenden gruppentaktischen Problemen zu kämpfen – unter anderem beim dritten Gegentor.

Nach einem Abschlag vom Salzburger Tor ergibt sich die obenstehende Konstellation. Salzburg hat mit Felipe Pires (weiß) und Valentino Lazaro (blau) nur zwei Spieler im Zielgebiet. Die Admira steht hingegen mit vier Akteuren in unmittelbarer Nähe des Balls, dahinter gäbe es eine zwei-Mann-Absicherung. Gute Voraussetzungen für den Kampf um den zweiten Ball. Die Admira nutzt dies aber in keinster Weise.

Christoph Schösswendter steht zu weit weg von Pires, sodass dieser den Ball auf Lazaro ablegen kann. Dieser kann dann sofort in Richtung Tor dribbeln, behauptet mit Glück den Ball und stellt Thomas Ebner (schwarz) vor die Entscheidung, entweder auf den Ballführenden zu gehen oder sich an Takumi Minamino zu gehen. Letztlich orientiert sich weder klar zum einen, noch zu anderen, sodass der Japaner den Nachschuss problemlos verwerten kann.

Alexander Semeliker, abseits.at

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Alexander Semeliker

@axlsem