Die Niederländer reisten am Mittwoch nach Solna, um dort gegen Schweden ihr erstes Qualifikationsspiel für die WM 2018 zu bestreiten. Wir haben diese Partie... Analyse: Kompakte Schweden holen Punkt gegen die Niederlande
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Schweden Flagge_abseits.atDie Niederländer reisten am Mittwoch nach Solna, um dort gegen Schweden ihr erstes Qualifikationsspiel für die WM 2018 zu bestreiten. Wir haben diese Partie für euch analysiert.

Prinzipielle Ausrichtungen

Die Schweden formierten sich in der Defensive im 4-4-2, ihr Pressing legten sie im Mittelfeld an und ließen die Holländer zunächst mal das Spiel ohne viel Bedrängnis aufbauen. Nach der Mittellinie wartete jedoch ein kompakter 4-4 Block, der von den zwei Sturmspitzen noch zentral unterstützt wurde. Die Hausherren spielten prinzipiell raumorientiert und versuchten die Abstände zueinander zu halten, vereinzelt nahm man im Mittelfeld jedoch Mannorientierungen auf, wenn man dies für nötig befand. Dies tat man vor allem, wenn man versuchte auf Ballgewinn zu attackieren, dann wurden die ballnahen Optionen situativ manngedeckt.

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Bei Ballbesitz schob der ballferne Flügelstürmer der Schweden meist weit mit bis ins Zentrum, vor allem der Leipziger Forsberg konnte so seine Stärken in seiner kombinativen und engen auflösenden Spielweise gut einbringen. Die Breite wurde vom ballfernen Außenverteidiger besetzt, jedoch waren Lustig und Wendt auf beiden Seiten eher zurückhaltend, nahmen nur dynamisch nach Laufpässen höhere Positionen ein und boten sich selten breit an, sondern blieben eher näher an der eigenen Abwehrkette zur Konterabsicherung.

Selten versuchten die schwedischen Abwehrspieler das Spiel flach aufzubauen, meist kam ein hoher Ball auf die Flügel oder auf den physisch starken Guidetti und seinen erfahrenen Sturmpartner Marcus Berg.

In ihrem Mittelfeldpressing formierten sich die Gäste im 4-1-4-1, das sich typisch holländisch bisweilen sehr mannorientiert gestaltete. Die Schweden waren hierbei nicht variabel und dynamisch genug in ihrem Freilaufverhalten und der Raumbesetzung, sodass die Gäste recht einfach Pässe in die Formation verhindern und hohe Bälle erzwingen konnten. Diese wurden jedoch einige Male nicht früh genug antizipiert, weshalb es häufig zu Sprintduellen zwischen den schwedischen Angreifern und den holländischen Verteidigern kam. Dies barg natürlich ein gewisses Gefahrenpotential in sich. Das Gegenpressing der Niederländer griff gut, da man ballnah stets gute Staffelungen im Ballbesitz geschaffen hatte, sodass man nur kurze Wege im Nachsetzen nach Ballverlust zu gehen hatte.

Das holländische 4-3-3 im Aufbau gab einige Möglichkeiten her, die Formation der Schweden zu bespielen. Um den Aufbau voranzutreiben ließen sich immer wieder entweder Strootman oder Sneijder in die Abwehrlinie fallen, meist auf der linken Seite statt dem nach vorne schiebenden Daley Blind, jedoch gab es auch Situationen, in denen Strootman mittig abkippte. Der kompakte Schweden-Block war schwierig zu bespielen, weshalb man zu Beginn vor allem über die Seite den Weg nach vorne suchte, jedoch immer mit der offenen Möglichkeit den Ball wieder in die Mitte zu spielen. Von den Achtern besetzte einer oftmals den Zehnerraum, weshalb der ballnahe Halbraum oft dynamisch zurückfallend vom nächsten Flügelstürmer besetzt wurde. Dies war natürlich nicht immer optimal, die Anbindung fehlte hier teilweise und war auch der Grund, weshalb die Holländer zunächst fast ausschließlich über die Seiten aufbauen mussten. Mit schnellen Ablagen nach innen fand man jedoch ein, zwei Mal dann doch die Mitte, wobei sich dann gleich gute Chancen ergaben.

Kompakte Schweden zwingen Holland zur Geduld

Die Gastgeber verschoben gut und ließen nur wenig Räume in ihrer Formation offen. Die Niederländer versuchten die Zwischenlinienräume zahlenmäßig größer zu besetzen, weshalb Strootman und Sneijder nicht mehr abkippten. Dadurch waren jedoch die Staffelungen ungünstig, um das 4-4-2 Pressing von den Mannen des Teamchefs Jan Andersson auszuspielen. So kam es immer zu mehr und mehr Flügelangriffen der Holländer, die in Flanken endeten. Oftmals konnten diese abgewehrt und sogar schwedische Konter gefahren werden, weshalb Teamchef Danny Blind Ideen finden musste, um seinen Spielern bei der Überwindung dieses kompakten Blocks zu assistieren. Deswegen fing Strootman wieder an abzukippen,  in tiefen Positionen wenn der holländische Torwart der Ballführende war rückte dabei jedoch Marcus Rohdén mit auf, damit die Schweden im  4-3-3 pressen konnten.

Denn das Ausspielen der Angriffe im letzten Drittel war durchaus gut, vor allem das Hinterlaufen wandte man als taktisches Stilmittel an, um immer wieder Durchbrüche zu erzielen. Nahe am eigenen Strafraum agierten die Schweden auch mannorientierter, weswegen Läufe in die Tiefe der Holländer immer wieder freie Räume im Zentrum ergaben, zwei Mal nutzte man diese für Weitschüsse aus.

Zwar konnten die Holländer über mehrere Stationen zirkulieren, jedoch fehlten oft die vertikalen Anspielstationen, weshalb man sich oft über das Spiel über den dritten Mann, so wie in dieser Szene, am Flügel durchspielte.

Die Schweden selbst hatten keine Probleme damit hohe Bälle zu spielen, war dies doch von Beginn an der Plan. Oft rückte Forsberg weit mit ein, auch bei mittigem Ballbesitz, sodass eine asymmetrische 4-2-2-2 Grundordnung entstand. Forsberg auf der Zehn sollte nicht nur für Zwischenlinienraumbesetzung und Dynamik bei Angriffen sorgen, er gab zusätzlich Präsenz im Gegenpressing nach hohen Bällen auf Guidetti und Berg, die sich oftmals gemeinsam auf einer Höhe befanden. Forsberg war auch derjenige, der die Ablagen seiner Sturmpartner in oftmals gefährliche Situationen verwandelte. Oftmals konnte er in die Ablagen „hinein“laufen, nahm also schon Tempo auf und konnte durch Dribblings und schnelle Doppelpässe in der holländischen Hintermannschaft für Unordnung sorgen.

Die Unordnung war es dann auch, die zur schwedischen Führung sorgte: Nach einem Schuss eines Schweden blockte van Dijk ab, die Schweden protestierten auf Handspiel. Der Schiedsrichter ließ jedoch weiterlaufen, Marcus Berg erkannte die Situation geschickt und überlupfte Hollands Torwart Zoet in der 44. Minute sehenswert zum 1:0.

Erhöhter Flankenfokus

Kurz nach Wiederanpfiff fanden beide Mannschaften Chancen nach Flanken vor. Van Dijk rettete im letzten Moment auf der einen Seite, auf der anderen Seite löste die dynamische Besetzung des Strafraums von Klaassen Zuordnungsprobleme aus, der Kopfball des Ajax-Spielers wurde jedoch bravourös von Robin Olsen gehalten. Überhaupt gab es jetzt eine vermehrte Strafraumbesetzung seitens der Holländer, die sich schon vor der Pause etwas abzeichnete. Meist besetzten bis zu vier Spieler den Strafraum wenn der Ball auf der Seite war, Trainer Blind schien den Flankenfokus forcieren zu wollen.

Als zweite Anpassung war Klaassen als falsche Neun erkennbar, während Janssen mittig im Sturm und Quincy Promes weiter nach rechts versetzt und auf einer Höhe mit Janssen agierte. Man hatte nun eine Raute im Mittelfeld und schaffte es so, zumindest in der ersten Aufbauphase mehr Vertikalität in das Passspiel zu bringen, wenngleich die Konzentration auf Flügeldurchbrüche blieb. Die Oranjes bewegten sich nun auch deutlich umtriebiger im Freilaufverhalten und wechselten bisweilen Positionen, auch das trug zum verbesserten Bespielen der schwedischen Formation bei.

In Minute 67 fiel dann endlich das Tor für die Gäste aus den Niederlanden: Nach einem diagonalen Dribbling von Janmaat wurde dessen Schuss abgewehrt, den Nachschuss konnte Sneijder aber verwerten.

Kurz vor der Einwechslung passte Blind erneut an, er brachte Bas Dost für Wijnaldum. Nun formierte man sich in einem asymmetrischen 4-1-3-2/4-2-3-1-Hybrid mit einem weiterhin hoch agierenden Promes. Die Hereinnahme von Dost war ein weiterer Hinweis von Blind für seine Mannschaft, mehr zu flanken. Auch die Außenverteidiger agierten jetzt höher, was die Spieler im Zentrum befreite und man konnte die Zwischenlinienräume in der schwedischen Formation nicht bespielen. Trotz all dieser Verbesserungen und Anpassungen konnten die Holländer kein Tor mehr erzielen und das Spiel endete 1:1.

Fazit

Die Niederländer dominierten das Ballbesitzspiel, hatten jedoch durchaus Probleme mit den schwedischen Schnellangriffen. Diese scheiterten jedoch meist an der starken Strafraumverteidigung von Bruma und van Dijk. Der Flankenfokus der Holländer war deutlich, brachte jedoch nur wenig ein. Viele Bälle wurden durch Halbfeldflanken verschenkt. Die Schweden zeigten ein kompaktes Mittelfeldpressing, das lange Zeit nicht zu penetrieren war. Erst als die holländischen Außenverteidiger sehr hoch agierten taten sich die Gastgeber schwerer.

David Goigitzer, abseits.at

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David Goigitzer