Am Mittwoch trifft der SK Rapid im Ernst Happel Stadion auf Ajax Amsterdam. Die Hütteldorfer spielen gegen den niederländischen Traditionsverein um den Einzug ins... Jung und technisch hochbegabt: Das ist der Kader von Ajax Amsterdam
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Ajax AmsterdamAm Mittwoch trifft der SK Rapid im Ernst Happel Stadion auf Ajax Amsterdam. Die Hütteldorfer spielen gegen den niederländischen Traditionsverein um den Einzug ins Playoff der Qualifikation zur UEFA Champions League. In zwei Teilen stellt abseits.at die Mannschaft und Spielweise des 33-fachen niederländischen Meisters vor.

Es ist noch nicht so lange her, dass eine österreichische Mannschaft auf Ajax traf. Im Februar 2014 ließ Red Bull Salzburg dem damaligen „Champions-League-Absteiger“ im Sechszehntelfinale der Europa League keine Chance und gewann beide Spiele klar. Der Kader wurde seitdem allerdings umstrukturiert, ist jünger und hat sehr viel Potenzial.

Der Torhüter

Im Tor spielt wohl einer der bekanntesten Spieler von Ajax. Der 26-jährige Jasper Cillessen ist nämlich die aktuelle Nummer eins des niederländischen Nationalteams und stand auch während der WM 2014 zwischen den Pfosten der Elftal. Zunächst war er durchaus umstritten, da er am Ball kein typischer Ajax-Torhüter ist. Er schlägt vergleichsweise viele lange Bälle und zeigt beim Heraus- und Mitspielen die eine oder andere Schwäche. Andererseits ist er auf der Linie sehr stark und präsent im Strafraum.

Die anderen beiden Torhüter spielen in aller Regel keine Rolle und sind grundverschieden. Erster Ersatzmann ist mit Diederik Boer (34) der älteste Spieler im ganzen Kader. Er spielte bis 2014 seine ganze Karriere bei PEC Zwolle, ehe er als Backup geholt wurde. Dahinter gibt es in Andre Onana ein 19-jähriges Talent aus Kamerun, das zu Beginn des Jahres aus dem Nachwuchs des FC Barcelona kam.

Die Innenverteidigung

Der Abwehrchef der Ajacieden ist ein äußerst interessanter Spieler: Joel Veltman. Der 23-Jährige ist ein außergewöhnlich starker Aufbauspieler, der sein Verhalten sehr gut mit jenem seiner Mitspieler abstimmt und eine herausragende Entscheidungsfindung hat. Er kann sowohl mit dem Ball am Fuß nach vorne und damit die Spieldynamik bestimmen, als auch präzise, öffnende Pässe spielen. Alleine, dass er mehr Fouls erleidet als er selbst begeht, zeigt seine außergewöhnliche Spielweise. Interessant ist auch seine Torgefährlichkeit – allerdings weniger die Anzahl (vier in der letzten Saison) als die Art. Gegen Dordrecht und Willem II traf er nämlich jeweils nach Vorstößen und überhob den Tormann.

Veltmans Partner der letzten Jahre, Niklas Moisander, verließ den Verein, weshalb es nun einige Kandidaten für den zweiten Innenverteidigerposten gibt. Sehr gute Karten dürfte dabei der junge Jairo Riedewald haben, der in beiden Härtetests vorm Rapid-Spiel begann. Der 18-Jährige ist ein Defensivallrounder, spielte in der letzten Saison schon phasenweise links hinten und auf der Sechs. Riedewald ist ein Verteidiger, der sehr oft antizipiert und herausrückt. Auch er ist stark am Ball und hat ein gutes Positionsspiel. Im Vergleich zu Veltman wirkt er, vermutlich wegen seines Alters, strategisch unreifer, was jedoch keineswegs negativ aufzufassen ist.

Der zweite Bewerber ist Johnny Heitinga (31), der im Sommer zu seinem Herzensklub zurückgekehrt ist. Zwischen 2008 und 2015 spielte er in Spanien (Atletico), England (Everton, Fulham) und Deutschland (Hertha BSC), wo er sich jedoch nirgends bleibend beweisen konnte. Dies lag auch an seinem Spielstil. Heitinga ist kein eleganter Stratege, sondern eher ein „Beißer“. Als Routinier – der 87-fache Teamspieler ist der einzige Feldspieler über 30 – könnte er auf eine ganze Saison gesehen jedoch ein wichtiger Teil der Mannschaft sein.

Hinter den drei gibt es mit Mike van der Hoorn einen weiteren jungen Spieler. Der 22-Jährige kam 2013 aus Utrecht, konnte seine Millionenablöse aber noch nicht rechtfertigen. Da Veltman verletzungsbedingt ausfiel, machte er Mitte der letzten Saison einige Spiele von Beginn an. Dabei konnte man zwar durchaus gute Ansätze erkennen, insgesamt wirkte er aber – nicht zuletzt wegen seiner schlaksigen Figur und unbeweglichen Spielweise – wie ein Fremdkörper. Neben van der Hoorn hat Ajax in Nick Viergever einen weiteren Allrounder, der auch links hinten und im defensiven Mittelfeld aushelfen kann.

Die Außenverteidigung

Auf der rechten Außenverteidigerposition war in den letzten Jahren Ricardo van Rhijn gesetzt. Er gehörte im Allgemeinen zu den solidesten Spielern und hat mit seinen 24 Jahren noch einiges an Entwicklungspotenzial – zumal er auch innen spielen kann. Andererseits ist der achtmalige Teamspieler drauf und dran, seinen Platz zu verlieren. Der 19-jährige Kenny Tete zeigte in der Vorbereitung nämlich sehr starke Leistungen. Einerseits ist er technisch stärker und andererseits in seinem Bewegungsspiel variabler als van Rhijn.

Links hinten gibt es eine ähnliche Entwicklung. Nicolai Boilesen ist an und für sich ein guter Außenverteidiger, der die gesamte Länge des Platzes bespielen kann. Mit einer Körpergröße von 1,86m ist er zudem physisch robust. Andererseits ist der 23-jährige Däne verletzungsanfällig. Das dürfte der Hauptgrund dafür sein, dass sich Ajax auf dieser Position verstärkt hat. Mitchell Dijks kam von Willem II und dürfte auch gegen Rapid spielen. Der 22-Jährige ist noch größer (1,93m), wodurch er etwas ungeschickter wirkt. Tatsächlich ist er jedoch ein guter Dribbler, der wie Tete gut zum Kombinationsspiel passt.

Das zentrale defensive Mittelfeld

Im zentralen Mittelfeld gibt es verglichen mit Februar 2014 viele neue Gesichter und Talente. Die besten Anlagen dürfte dabei der 18-jährige Riechedly Bazoer haben. In der ersten Saisonhälfte noch bei der zweiten Mannschaft im Einsatz, zeigte er im Frühjahr sein ganzes Potenzial. Bazoer ist ein athletisch und technisch starker Box-to-Box-Mittelfeldspieler, der noch dazu strategisch-taktisch sehr weit ist und ein breites Passspektrum anbietet. Im Grunde genommen füllt er die Rolle eines Balancespielers aus, aufgrund der umliegenden Strukturen und seiner individuellen Qualitäten ist er jedoch sehr präsent und dominant. Man darf gespannt sein, wie die erste volle Profisaison des Youngsters verlaufen wird.

Bazoers Vorgänger als Balancespieler ist der Südafrikaner Thulani Serero. Der 25-Jährige ist ein guter Verbindungsspieler, der in seiner besten Phase bei Ajax individuell das perfekte Mittelding zwischen Sechser und Achter verkörperte. Sein Fehlen im Hinspiel gegen Salzburg war ein wichtiger Grund dafür, dass Ajax damals nicht ordentlich von hinten herausspielen konnte. In der letzten Saison kam der laufstarke, vertikal pendelnde Serero zwar auf über 2.000 Einsatzminuten, in nächster Zeit könnte er aber ins zweite Glied zurückrücken.

Weiters haben die Amsterdamer in Nemanja Gudelj einen neuen Spieler verpflichtet. Der 23-Jährige ist serbischer Teamspieler und kostete sechs Millionen Euro Ablöse. Als Kapitän von AZ Alkmaar erzielte er in der letzten Saison elf Tore – vier davon aus ruhenden Bällen. Gudelj ist ein Akteur, der das Spiel vor allem im zweiten Drittel bestimmen kann, zum einen durch sein ständiges Fordern des Balls, andererseits durch sein flexibles Positionsspiel. Bei AZ wich er beispielsweise häufig auf die Flügel aus.

Ein weiterer Grund dafür, dass Serero in Zukunft weniger Spielzeit bekommen wird, ist Daley Sinkgraven, ein weiteres niederländisches Nachwuchstalent. Der 20-Jährige wurde beim SC Heerenveen ausgebildet und kam erst kurz vor Transferschluss im Winter zu Ajax. Dennoch bekam er gleich zu Beginn einige Chancen über 90 Minuten. Sinkgraven ist zwar körperlich recht schmächtig, aber am Ball enorm stark. Insbesondere seine Pressingresistenz ist überragend. Selbst unter großem Druck schafft er es, am Gegenspieler vorbeizukommen. Außerdem ist er jemand, der den letzten Pass spielen kann. Bei ihm stellt sich lediglich die Frage nach der Konstanz.

Das zentrale offensive Mittelfeld

Im zentralen offensiven Mittelfeld findet man den Kapitän: Davy Klaassen. Alleine, dass der 22-Jährige selbst erst in seine dritte Saison als Stammspieler geht, zeigt welchen Umstrukturierungsprozess Ajax gerade durchmacht. Klaassen gehört individuell wohl nicht zu den herausragenden Spielern, hat aber ein starkes Stellungsspiel im letzten Drittel. Er findet immer wieder Wege, ohne Ball mit Tempo in den Strafraum zu kommen, wo er dann angespielt wird und blitzschnell abschließt. Gerade bei Aktionen über die Seite macht ihn das zu einer großen Gefahr. 16 Tore und 12 Assists verbuchte er in den letzten zwei Ligaspielzeiten.

Hinter dem Blondschopf lauert Lucas Andersen, der neben der Zehnerposition auch als Achter und am linken Flügel spielen kann. Dementsprechend wird er oftmals auch so eingebunden, dass er auf die Seite zieht. Der 20-jährige Däne kam 2012 von Aalborg aus Dänemark, wo er als Riesentalent galt. Bei Ajax musste er zunächst relativ lange in der zweiten Mannschaft spielen, ehe er letzte Saison regelmäßige Einsätze bekam.

Die Flügelspieler

An den Flügeln ist Ajax traditionell dicht besetzt und hat auch dort vielversprechende Talente. Als außergewöhnlich großes galt in den letzten Jahren Viktor Fischer. Nachdem er 2012/13 eine sehr starke Einstandssaison hatte, fiel er 2013/14 jedoch stark ab, ehe ihn eine Oberschenkelverletzung fast die gesamte letzte Spielzeit außer Gefecht setzte. Der 21-Jährige agiert als klassischer Linksaußen und spielt sehr breit. Mit Tempo zieht er dann zum Tor. Fischer verfügt grundsätzlich über ein großes Spielverständnis, bewegt sich intuitiv gut zwischen den Linien, ist beidfüßig und dribbelstark. In Topform ist er aktuell aber nicht.

Der stärkste Flügelspieler der letzten Saison war Anwar El Ghazi, der über rechts kommt. Starke neun Tore und acht Assists schaffte er in seiner ersten Saison als Profi. Der 20-Jährige mutet am Ball aufgrund seiner Explosivität spektakulär an. Er führt den Ball eng, läuft jedoch aufrecht, weshalb er schnell die Richtung wechseln kann. Auch wenn er tendenziell lieber Richtung Tor zieht, so kann es aufgrund seiner guten Hereingaben auch dann gefährlich werden, wenn er die Linie entlang dribbelt. Andererseits fällt er ohne Ball kaum auf. Sein Kombinationsspiel ist bestenfalls solide, die Defensivarbeit lässt er gelegentlich sogar bleiben.

Einen weiteren interessanten und dribbelstarken Spieler holte Ajax jüngst aus Deutschland. Amin Younes, zuletzt an Kaiserslautern verliehen, wurde von Borussia Mönchengladbach verpflichtet und soll wohl Ricardo Kishna ersetzen, der vor dem Absprung steht. Bei der U21-Europameisterschaft war beim DFB-Team Stammspieler und zeigte seine starken Anlagen im Eins-gegen-Eins. Ajax soll für den kleinen Deutsch-Libanesen gewissermaßen ein Neustart werden, nachdem er die hohen Erwartungen in der Bundesliga nicht erfüllen konnte. Dass er gegen Rapid schon in der Startelf stehen wird, scheint aber ausgeschlossen.

Als weiteres Backup für die Flügelpositionen gibt es einen Routinier. Der 29-jährige Däne Lasse Schöne ist seit 2012 bei Ajax und ist ein vielseitig einsetzbarer Offensivspieler. Er kann auf beiden Außenpositionen genauso eingesetzt werden wie als offensiver Achter in einem 4-3-3. Das macht ihn zum optimalen Joker. Individuell hat er ebenfalls ein breitgefächertes Repertoire. Erwähnenswert ist zudem die Scorerbilanz: 24 Tore und 27 Assists in den letzten drei Eredivisie-Spielzeiten.

Der Stürmer

Der Angriff bereitete den Ajax-Verantwortlichen in der letzten Saison wohl die größten Sorgen. Während die Mittelfeld- und Flügelspieler ordentliche Torquoten hatten, war Arkadiusz Milik mit elf Ligatoren zwar bester Torschütze des Teams; absolut gesehen ist das jedoch eines Spitzenteams nicht würdig. Das soll jedoch kein schlechtes Licht auf den Polen werfen, der immerhin alle 115 Minuten traf. In seiner Heimat galt der 21-Jährige einst als nächster Robert Lewandowski, bisher wurde er diesem Ruf jedoch nicht gerecht. Weder bei Leverkusen noch bei Augsburg konnte er sich durchsetzen, weshalb er nun von Ajax fix verpflichtet wurde.

Als Alternative zu Milik und Ersatz für den abgewanderten Kolbeinn Sigthorsson lieh Ajax kürzlich Yaya Sanogo aus. Der körperlich starke 22-Jährige, der das letzte halbe Jahr bei Crystal Palace kickte, hat zwar schon Erfahrung in der Champions League, wird aber gegen Rapid wohl noch keine Rolle spielen. Andererseits ist der Franzose auch von seinen Fähigkeiten hinter Milik anzustellen.

Alexander Semeliker, abseits.at

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Alexander Semeliker

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