Leipzig feierte mit Marcel Sabitzer und Stefan Ilsanker am Platz, sowie Ralph Hasenhüttl auf der Trainerbank, den ersten Bundesligasieg der Geschichte gegen schwache Dortmunder.... Erster Bundesligasieg gegen schwache Dortmunder: RB Leipzig schlägt den BVB
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_Ralph Hasenhüttl - FC IngolstadtLeipzig feierte mit Marcel Sabitzer und Stefan Ilsanker am Platz, sowie Ralph Hasenhüttl auf der Trainerbank, den ersten Bundesligasieg der Geschichte gegen schwache Dortmunder. Wir haben das interessante Spiel für euch analysiert.

Prinzipielle Ausrichtungen

Der BVB trat nominell im 4-2-3-1 an, im Aufbau formierte man sich jedoch in einem 3-1-5-1, Rode kippte diagonal für den hoch agierenden Piszczek ab, während Weigl die Mitte hielt und Metronom spielte. Bartra hatte die halblinke Hummels-Rolle inne. Er sollte Vertikalpässe ins Mittelfeld spielen oder auch mit aufrückenden Dribblings für Staffelungsänderungen sorgen. Durch das gut strukturierte Pressing der Leipziger taten sich die Dortmunder jedoch schwer, den Ball in höhere Zonen zu bringen. Dadurch, dass nur Rode abkippte, war das Aufbauspiel der Dortmunder vorhersehbar und somit leichter zu kontrollieren. Schürrle und Castro rückten in die Halbräume, zeigten sich jedoch sehr passiv im Freilaufverhalten und traten meist erst unterstützend in Erscheinung wenn der ausweichende Götze oder Piszczek auf rechts den Ball hatte.

Dennoch konnte man sich einige Male über die Flügel oder mit Kontern ins letzte Drittel kombinieren. Hier sorgte Götze mit diagonalen Dribblings immer wieder für Gefahr, Castro und Schürrle suchten immer wieder den Rücken der Abwehr um Schnittstellenpässe von Götze zu fordern. Zu oft fehlte hier jedoch das Tempo in den Aktionen, sodass die Leipziger immer wieder einen Fuß dazwischen bekamen und diese Spielzüge verteidigen konnten.

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Das Dortmunder Pressing, das aufgrund der vielen Umschaltsituationen in geordneter Form in der ersten Halbzeit fast gar nicht zum Vorschein kam, wechselte oft zwischen einem 4-2-3-1 und 4-4-2 (Rautenformation). Nur in wenigen Situationen bekam man zu sehen, dass die Mannschaft von Tuchel die Leipziger früh unter Druck setzen wollte und Castro und Aubameyang aggressiv die Innenverteidiger anliefen. Die Leipziger Innenverteidiger spielten jedoch sowieso generell hohe Bälle, und wie bereits erwähnt spielte sich die Partie vor allem in Umschaltsituationen im Mittelfeld ab.

Das 4-4-2 der Leipziger war in der Offensive von hoher Vertikalität geprägt. In Umschaltsituationen verzichtete man in den ersten Sekunden auch auf Breite und priorisierte die Tiefe und enge Verbindungen für One-Touch-Kombinationen. Kontinuierlicher Spielaufbau wurde mit so geringem Maß wie möglich ausgeführt, oft griff man zum weiten Ball auf die beiden eng beieinander stehenden Stürmer Poulsen und Werner, um im Gegenpressing den zweiten Ball zu gewinnen und Angriffe weiter vorne starten zu können

In ihrem Mittelfeldpressing formierten sich die Leipziger ebenfalls im 4-4-2. Hier versperrte man primär den Zugang zu Weigl und versuchte den Aufbau der Dortmunder auf die Seite zu leiten. Bei gewissen Pressingtriggern, wie zum Beispiel etwas ungenaue Pässe, schob man aggressiv zum Ballführenden und versuchte ihn auf der Seite einzukesseln und unter Druck zu setzen. Der ballnahe Stürmer lief dabei im Bogen an und versperrte die Verlagerung, während der ballnahe Flügelstürmer ebenfalls lossprintete und versuchte diagonale Pässe in die Halbräume zu verhindern. Dabei half ihm jeweils einer der beiden Sechser.

Vor allem Rode wollte man auf der linken Seite immer wieder unter Druck setzen, weshalb Sabitzer ihn als Option oft offen ließ, um ihn dann im Vollsprint zu attackieren und zu Fehlern zu zwingen. Deswegen wurde Schmelzer als Option für Bartra öfter im Bogen zugelaufen um ihn nicht anspielbar zu machen.

Dortmund mit großen Schwierigkeiten im Aufbau

Die Dortmunder hatten Schwierigkeiten den Ball flach durch ihre Formation zirkulieren zu lassen, vor allem die Halbräume schienen unzugänglich wegen des starken Pressings der Leipziger. Dennoch konnte man in ein, zwei Situationen sich über die Flügel durchkombinieren. Vor allem über links gab es immer wieder interessante Bewegungen zwischen Götze und Schürrle, ersterer hatte vor allem zu Beginn wichtige Ballkontakte und konnte sich immer wieder mit seiner hervorragenden Technik und Entscheidungsfindung aus Drucksituationen lösen. Dieses Durchkombinieren schaffte man vor allem durch schnelle Ablagen zu unterstützenden Spielern aus der Mitte oder ausweichenden Bewegungen auf die Flügel von diesen. Richtig effektiv waren diese Angriffe jedoch noch nicht, sodass der BVB lange Zeit keine richtige Torchance vorfand.

Die Leipziger verzichteten auf einen großartig angelegten Spielaufbau und suchten wie gewohnt so schnell wie möglich die Tiefe. Am effektivsten war dies natürlich, wenn man den Ball etwas tiefer in der eigenen Hälfte gewonnen hatte. So war mehr Raum hinter der BVB-Abwehr, in die Poulsen und Werner hineinlaufen konnten. Jedoch hat der BVB mittlerweile eine durchwegs sehr schnelle Abwehrkette, sodass dies kein einfaches Unterfangen war. Sokratis und Bartra antizipierten die hohen Bälle passend und waren oft schneller am Ball als ihre Gegner. Bürki ist zudem ein Torwart, dessen Komfortzone auch außerhalb des Strafraums liegt. Gepaart mit dem sehr intensiven, passwegorientierten Gegenpressing der Mannschaft von Tuchel konnte man einige Konterversuche der Leipziger effektiv unterbinden. Dies sollte jedoch nicht mehr allzu lang funktionieren, denn die Struktur im Ballbesitz war bei weitem nicht so gut wie in der letzten Saison, zu unverbunden und zu wenig Dreiecksbildung zeigte man in diesem Spiel.

Den Dortmundern fehlte es weiterhin sehr an Durchschlagskraft, man fand Weigl nur allzu selten und weder Rode noch Sokratis oder Bartra zeigten Pässe zum Fortschreiten des Aufbaus. Vor allem Bartra und Rode machten sich immer wieder mit Fehlpässen bemerkbar und kamen mit dem Ansprinten der Leipziger nicht zurecht. Dies lag auch daran, dass sie sich teils zu eng positionierten und  somit den Gastgebern kürzere Wege im Pressing ermöglichten. Zudem dauerte die Zirkulation in der ersten Linie einfach zu lange und war leicht zu antizipieren.

Diese passing-map verdeutlicht die Probleme im Ballbesitzspiel der Dortmunder. Viel Hin und Her in der ersten Linie, keine Verbindung zu hoch agierenden Offensivspielern.

Stets gefährliche Leipziger lauern auf die Führung

Leipzig hingegen überzeugte durch Vertikalität, und generell gute Verbindungen untereinander, besonders zwischen Sechser Demme und Stürmer Werner. Durch viele Fehlpässe und hohe Bälle wirkt das Leipziger Ballbesitzspiel vielleicht improvisiert oder unsauber, jedoch ist dies Kalkül. Ziel ist immer der schnellste Weg nach vorne, auch wenn dies heißt einen Fehlpass zu riskieren. Diese riskanten Pässe werden jedoch vor allem in Räume gespielt, wo sich mehrere RB-Spieler befinden, um dann gleich ins Gegenpressing übergehen können. Dem dann ungeordneten Gegner, der gerade den Ball gewonnen hat, möchte man diesen sofort wieder abnehmen und diese Unordnung für Schnellangriffe nutzen. Kamen die Vertikalpässe jedoch an, legte man meist auf nachrückende Spieler ab und erhöhte somit weiter die Dynamik des Angriffes. Immer wieder konnten Poulsen und Werner füreinander Räume in die Tiefe öffnen, die oft mit Hebern bespielt wurden. Meist war es Poulsen, der für einen Pass in den Fuß entgegen kam und Gegner mitzog. In den Raum dahinter startete Werner immer wieder hinein. Diese Räume ergaben sich jedoch in Halbzeit eins meist nur am Flügel, weshalb die Weiterführung des Angriffes meist aufgrund der vom Tor weg gewandten Körperposition schwierig war. Dortmund hatte enorme Probleme einen effektiven Aufbau zu gestalten. Dies lag an der fehlenden Flexibilität beim Abkippen, sowie den zu hoch und zu passiv agierenden eingerückten Flügelstürmern Schürrle und Castro. Das Fehlen eines Ersatzes für Ilkay Gündogan machte sich stark bemerkbar, ein abkippender Achter mit Fähigkeiten im Ballvortrag hätte den Dortmundern in diesem Spiel enorm geholfen. Nur selten konnte man die Linien der konsequent verteidigenden Leipziger durchbrechen. Meist nur dann, wenn Spieler, die gerade gepresst hatten, nicht schnell genug auf ihre Position zurückkehrten. Dies geschah jedoch nur ein, zwei Mal.

Die Expected-Goals Grafik für dieses Spiel. Je größer das Viereck, desto größer die Torchance. Leipzig reichte eine Großchance für den Sieg, Dortmunds Wert betrug nur 0.5 (also ein halbes erwartetes Tor). HIER gibt es mehr Infos über diese Metrik.

Tuchel mit später, minimaler Anpassung

Die Dortmunder Aufbauprobleme setzten sich im zweiten Durchgang fort. Zwar versuchte man die Mitte öfters mit Rode und Weigl doppelt zu besetzen, Bartra und Sokratis standen jedoch zu eng beieinander um Passwege nach vorne zu finden. Hier wäre eine höhere und verstärkte Einbindung von Torwart Bürki eine Möglichkeit gewesen, um den Ballvortrag zu erleichtern. In einer Situation dribbelte Bartra ins Mittelfeld rein, nachdem der Ball recht schnell hinten zirkuliert wurde. Dies wäre ebenfalls ein Mittel gewesen das Leizpiger Pressing zu überwinden. Und selbst wenn man mal den Vertikalpass fand, dann zeigte vor allem Schürrle, dass ihm die Fähigkeiten für diese Art von Ballbesitzspiel fehlte. Schlechtes bis komplett fehlendes Umblickverhalten waren die Ursache für mehrere Ballverluste des deutschen Nationalspielers.

Lange Zeit passte Tuchel jedoch nicht an und Leipzig war weiterhin die Mannschaft, der man am ehesten einen Treffer hätte zutrauen können. Die Hereinnahme von Forsberg für Sabitzer sollte für die Gäste für einen zusätzlichen Schub sorgen. Der junge Schwede agierte zentraler als Sabitzer, er rückt gern in den Zehnerraum bei Ballbesitz, um die Stürmer zu unterstützen. Dies macht er auch für das schwedische Nationalteam.

In Minute 70 wechselte Thomas Tuchel Raphaël Guerreiro und Ousmane Dembélé ein, Götze und Castro mussten weichen. Auch Hasenhüttl hatte wieder gewechselt, für Poulsen kam der junge Schotte Burke. Guerreiro situierte sich im zentralen Mittelfeld und kippte von dort immer wieder links ab, was den Dortmundern bessere Möglichkeiten im Ballvortrag gab. Dembélé übernahm die Position von Castro rechts im Mittelfeld, interpretierte diese Rolle wie Castro jedoch ähnlich eng und im Halbraum. Die Dortmunder formierten sich nun in einem 4-3-3 mit flexibler abkippenden Achtern auf der Seite. So gab es nach dieser Anpassung gleich mehrere Durchbrüche auf der Seite nach Verlagerungen, der Ball lief generell schneller und etwas höher, wenngleich auch nicht allzu tief in Leipzigs Hälfte. Die klugen ausweichenden Bewegungen von Guerreiro und die unglaubliche Dribbelstärke von Dembélé brachten wichtige neue Aspekte ins Spiel der Dortmunder.

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Guerreiro kippt ab und dribbelt diagonal in die Mitte. Er erzeugt Staffelungsveränderungen und neue Passwege und hilft so beim Ballvortrag.

Doch auch Leipzig wurde immer gefährlicher, Timo Werner hatte innerhalb von wenigen Minuten zwei gute Chancen nach einem Konter, das Gegenpressing funktionierte vor allem auf links nicht mehr allzu gut. Dies lag auch an den schwachen Leistungen von Schürrle und Schmelzer, die ein, zwei Mal in gefährlichen Situationen den Ball verloren und aufgrund der immer noch nicht allzu guten Strukturen im Ballbesitz nicht mit Gegenpressing aufgefangen werden konnten. Beide Teams zeigten eine immer höhere Direktheit, hohe Bälle auf beiden Seiten wurden immer häufiger, weshalb es zu noch mehr Gegenpressingsituationen und Kontern kam und das Spiel hektischer wurde.  Einen dieser Konter hätte Schürrle in Minute 83 verwandeln können, als er aus 16 Metern nach gutem diagonalen Dribbling von Piszczek an die Latte schoss.

Hasenhüttl kommunizierte seiner Mannschaft den Willen das Spiel noch zu gewinnen und brachte Naby Keita für Dominik Kaiser. Der ehemalige Salzburger situierte sich ebenfalls auf rechts, spielte jedoch deutlich mehr im Halbraum als es der geradlinigere Kaiser tat. Auf der anderen Seite kam Ramos für den an diesem Tag unscheinbaren Aubameyang. In der 88. Minute erzielte Keita das entscheidende 1:0 für die Leipziger. Nach einem Konter hatte er mit Burke gekreuzt, der Schotte bediente Keita mit einem Stanglpass den der Spieler aus Guinea unhaltbar für Bürki verwandelte. Die Dortmunder konnten den Ausgleich nicht mehr erzielen, hatte man doch schon zuvor Schwierigkeiten zwingende Chancen zu erarbeiten.

Fazit

Dortmund zeigte, dass noch viel zur Form der letzten Saison fehlt. Der Aderlass war in diesem Spiel deutlich zu spüren. Es war von allen Beteiligten eine höchstens durchschnittliche Leistung, Tuchel wechselte zu spät und passte kaum adäquat an. Auch nach den Wechseln war die Verbesserung nur minimal. Leipzig verteidigte durchwegs konsequent, selbst wenn die Dortmunder es ihnen einfach machten. Im Konter stets gefährlich und mit gut getimten und vorbereiteten Laufwegen tat man der BVB- Abwehr immer wieder weh, bis man schlussendlich das verdiente Siegtor erzielte.

David Goigitzer, abseits.at

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