Im Schatten der großen, strahlenden Hochglanz-Star-Ensembles fristet ein ungewöhnlicher Aufsteiger in der Premier League sein Dasein. Ein hierzulande medial kaum beachteter Underdog ist der... FC Burnley – mit einer imposanten Heimstärke zum Klassenerhalt!?
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_England Premier LeagueIm Schatten der großen, strahlenden Hochglanz-Star-Ensembles fristet ein ungewöhnlicher Aufsteiger in der Premier League sein Dasein. Ein hierzulande medial kaum beachteter Underdog ist der Club mit dem kleinsten Budget, dem dritt-kleinsten Stadion und mit einer – zumindest außerhalb der Grafschaft Lancashire – eher wenig wahr genommenen Mannschaft. Der Burnley Football Club rockt – mit einem österreichischen Nachwuchs-Teamspieler – die Liga. Zwar nicht immer, aber dann wenn für den Aufsteiger ein Heimspiel im Turf Moor ansteht. Als heißer Abstiegskandidat von den Buchmachern in die heurige Saison geschickt, führen die „Clarets“ bislang ein Exempel vor, wie man schnörkellos und zweckoptimiert mit verhältnismäßig bescheidenen finanziellen Mitteln und einer immensen Heimstärke die Premier League halten kann. Auch sonst sind die Weinroten alles andere als eine graue Maus, eine Mannschaft die irgendwie immer wieder „auffällt“.

Daheim eine Macht – Auswärts ein Desaster

14 Spiele, 9 Siege – so lautet die Bilanz in der heimischen Wohlfühloase Turf Moor. Nach sieben Siegen am Stück, rang man am letzten Spieltag dem Tabellenführer ein – nur für Premier League Laien überraschendes – Remis ab. Damit hält der Aufsteiger bei 29 Heimpunkten, nur die London-Giganten Chelsea, Tottenham und Arsenal punkteten im eigenen Stadion noch fleißiger. Dazu wurden unter dem Engländer Sean Dyche in 102 Heimspielen ligaübergreifend beachtliche 44 „Clean Sheets“ erzielt, also zu null gespielt. Auch heuer in der Premier League gelang dieses Kunststück schon fünfmal, unter anderem gegen die Torfabrik vom FC Liverpool oder dem Meister aus Leicester.

Diese Heimstärke ist auch überlebensnotwendig, denn steigt man in den Teambus zur Auswärtsfahrt, sind dies in der Regel leere Kilometer. Außer man reist nach Manchester ins Old Trafford – dort rang man ausgerechnet Zlatan Ibrahimovic und Co ein Remis ab. Das war‘s aber dann auch schon, was es von den „Away-Games“ zu berichten gibt. Mit nur diesem einen mickrigen Punkt aus der Fremde ist man das abgeschlagene Schlusslicht in der Auswärtstabelle. Doch der Mathematiker würde sagen: Im Durchschnitt passt es! Und da ja die Tabelle bekanntlich eine rechnerische, unbestechbare Größe ist, passt es da auch prima. Heißt in der Zwischenwertung nach 25 Spielen Rang zwölf und mittlerweile schon zehn Punkte Polster auf einen Abstiegsplatz. So weit, so gut! Vorerst.

Die Wochen der Wahrheit mit rotweißroter Beteiligung

Die letzten beiden Sätze könnten nämlich bald schon obsolet sein, die Dyche-Truppe möglicherweise in wenigen Wochen in Abstiegsnöten. Bis Anfang April meint es die Premier League mit den „Clarets“ nämlich gar nicht mehr gut, stehen jetzt gleich vier brisante Duelle am Stück in der Fremde an. Am Samstag wartet mit Hull ein Gegner, der sich zuletzt etwas im Aufwind befindet und die Abstiegszone mit einem Heimsieg verlassen möchte. Auch bei Swansea und Sunderland muss man im März auswärts ran, zwei weitere Konkurrenten im Rennen um eines der begehrten Tickets für einen Platz in der Liga in der nächsten Saison, die dann mit Heimsiegen zu Burnley aufschließen könnten. Heißt im Klartext, prolongieren die Weinroten die Auswärts(un)serie, kann es rund um das Turf Moor schon sehr bald wieder hektisch werden. Damit steht ein Make- oder Break-Monat dem Championship-Meister der Vorsaison bevor.

Damit heuer erstmals seit knapp vier Jahrzehnten nicht der sofortige Wiederabstieg „passiert“, soll ein Angreifer mit österreichischen Wurzeln helfen. Ashley Barnes heißt der gute Mann. Die Nummer zehn bei Burnley hält heuer bei vier Treffern und zwei Assists. Von den spärlichen fünf Auswärtstoren seiner Mannschaft entfielen gleich zwei auf Barnes. Der aufgrund einer österreichischen Großmutter schon mal beim ÖFB vorstellig wurde, welcher aber kein Interesse bekundete. So blieb es bei einem U20-Einsatz gegen die Schweiz unter Andreas Heraf im Jahr 2008.

Die Bedeutung des 12. Manns

In Burnley betont man zwar gebetsmühlenartig, dass es am 12. Mann liegt, der die Mannschaft von Heimerfolg zu Heimerfolg treibt. Was wir mal so im Raum stehen lassen wollen. Der Faktencheck mit Blick auf die Besucherzahlen sagt uns da nämlich etwas anderes. Bei 14 Heimmatches gab es heuer 13 x noch Tickets für das mit knapp 21.300 Sitzen nicht gerade kapazitätstechnisch monumentale Stadion. Nur das Heimdebüt in Runde zwei gegen den FC Liverpool war ausverkauft! Und eins legen wir noch nach: In diesem Jahrtausend war das Stadion insgesamt ganze zweimal (!) ausverkauft.

Und wenn wir schon Negativerlebnisse hervorholen, gab es da sportlich am letzten Wochenende auch eines. Als Paradoxon zu den vorigen Absätzen wo wir die Heimstärke priesen, passierte am Samstag historisches. Ausgerechnet gegen den Fünftligisten Lincoln City blamierte man sich im FA Cup bis auf die Knochen und so zog seit über hundert Jahren wieder einmal ein Fünftligist ins Achtelfinale des ältesten Pokalbewerbs der Fußballwelt ein.

Am Weg zum unerwünschten Rekord

Zurück noch einmal zur eingangs erwähnten Heim-Auswärts-Kluft, da könnte sich heuer wieder rekordverdächtiges anbahnen. Heuer wurden nämlich 29 von den insgesamt 30 Punkten daheim geholt – heißt 96,7% aller Punkte wurden daheim geholt. Hält man diese Konstanz an Erfolgen daheim und Niederlagen auswärts, wird dies einen neuen Allzeit-Rekordwert in der Premier League bedeuten. Der bisherige Rekord hält… Richtig geraten: Der FC Burnley aus der Abstiegssaison 2009/10. Da reichten 26 Heim- und 4 Auswärtszähler nach über 30 Jahren Top-Flight-Football-Abstinenz nicht für den Klassenerhalt. Da sammelte man 87 % aller Punkte daheim. 2014/15 war man übrigens ebenfalls wieder für einen Saison kurzfristig erstklassig, da holte man ganz untypisch „sogar“ sieben Auswärtspunkte!

Werner Sonnleitner, abseits.at

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Werner Sonnleitner