Es war schon bitter, dass der SK Rapid am vergangenen Donnerstag über ein 1:1 gegen eine biedere US Sassuolo nicht hinauskam. Wohlgemerkt über eine... Rapids beispielhafter Auftritt gegen Sassuolo und die Gradmesser in den nächsten Wochen
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Es war schon bitter, dass der SK Rapid am vergangenen Donnerstag über ein 1:1 gegen eine biedere US Sassuolo nicht hinauskam. Wohlgemerkt über eine Mannschaft, die man durch beherztes, kampfstarkes Spiel erst selbst so bieder aussehen ließ. Dennoch waren die „verlorenen zwei Punkte“ bezeichnend für die Situation in Wien-Hütteldorf.

Mit so viel Dampf sah man Rapid schon länger nicht mehr. Auch in Anbetracht des gruppentaktisch starken Gegners. Rapid lief dem italienischen Europacupstarter aus Sassuolo in der ersten Halbzeit um die Ohren, hätte zur Pause bereits höher als 1:0 führen können. Die Hütteldorfer zogen einen enormen Druck auf und schafften vor allem das, was in den vorherigen Spielen nicht klappte: Rapid gewann die zweiten Bälle.

Stark im Gegenpressing und bei den zweiten Bällen

Die Spielanlage Sassuolos war hierfür sicher vorteilhaft für die Grün-Weißen. Die Italiener versuchen nämlich nach Ballverlusten nicht unbedingt ins Gegenpressing zu kommen, sondern formieren sich möglichst schnell kompakt. Rapid baute allerdings ein sehr intensives Gegenpressing, gefolgt von schnellen Weiterverarbeitungen auf, wodurch man den Gegner immer wieder punktuell in Stresssituationen brachte.

Aktivitätsunterschiede je nach Spiel

Unweigerlich stellte man sich auf den Tribünen die Frage: Wieso funktioniert diese Art von offensivem Verteidigen gegen einen Klassegegner aus der Serie A, aber nicht gegen Ried, St.Pölten oder letztlich auch Altach? Nur an der destruktiven Spielweise der Gegner kann’s nicht liegen. Zugleich sahen die Zuseher einen äußerst aktiven Mike Büskens an der Seitenlinie, der mitfieberte, mitlebte und coachte. Ein Bild, das der Deutsche in zahlreichen anderen Partien nicht abgab. Zieht sich das Mentalitätsproblem Rapids in höhere Kreise als jene der Mannschaft? Ist die Motivation für Rapid im Allgemeinen tatsächlich größer, wenn man sich international in die Auslage spielen kann, als wenn man das „lästige“ Pflichtprogramm der tipico Bundesliga abspulen muss?

Paradoxes Coaching

Diese Frage werden ausschließlich Spieler und Trainer beantworten können, allerdings war auch das Emotionsgefälle zur zweiten Halbzeit augenscheinlich. In der ersten Hälfte des zweiten Durchgangs versuchte Rapid gegen ein verbessertes Sassuolo weiter nach vorne zu spielen, konnte das Tempo allerdings nicht dauerhaft gehen und wurde durch Schrammels kurioses Eigentor unter Schock gesetzt. Plötzlich kehrte wieder Lethargie und eine gewisse Ratlosigkeit ein – angefangen auf der Trainerbank. Als es gut lief und Rapid auf das zweite Tor drückte, war Büskens energischer denn je. Als sich die Mannschaft tendenziell auf dem absteigenden Ast befand, saß auch Büskens mehr. Doch gerade hier hätten die leicht verunsicherten Hütteldorfer Coaching von außen gebraucht.

Kaum Vorwürfe möglich

Insgesamt konnte Rapid den Gegner in Schach halten, aber proaktiv nach vorne spielten die Hütteldorfer, bei denen nun die Verbindungen und auch das Aufbauspiel nicht mehr passten, nicht. Dabei konnte man keinem einzigen Spieler vorwerfen, eine schlechte Leistung auf den Rasen gebracht zu haben. Es waren die nachlassenden Synergien im Vergleich zur ersten Halbzeit, an denen Rapid am Ende scheiterte. Die durch Schösswendters Verletzung etwas kuriose Schlussphase fiel schließlich unter das Motto „Hop oder Drop“. Auch die Kraft ging mit der Zeit zurück.

Ein Gesamtvorwurf bzw. eine Grundsatzfrage

Der einzige Vorwurf, den man Mannschaft und Trainerteam machen kann, ist, dass es verabsäumt wurde, in den Minuten 50 bis 75 Spannung und Zug in einzelnen Aktionen aufrechtzuerhalten. Der Gesamtvorwurf impliziert allerdings die Frage von vorhin: Woran scheitert es, dass Rapid nicht (fast) jeden Gegner – ob daheim oder auswärts – derart massiv unter Druck setzen kann, wie Sassuolo in Halbzeit eins?

Auch im Derby wird Rapid Vollgas geben…

Die bisherige Saison zeigt, dass bei Rapid vieles gegner- und spielverlaufsabhängig ist. Insofern muss man sich als Rapid-Anhänger vor dem morgigen Derby keine ersthaften Sorgen machen. Der Erzrivale aus Wien-Favoriten, der einen anstrengenden Kampf in Rom in den Beinen hat, wird im Westen Wiens sicher nicht mit Geschenken empfangen. Eine Leistung wie in der ersten Halbzeit gegen Sassuolo ist angesichts des mehr als prestigeträchtigen ersten Derbys in der neuen grün-weißen Heimat möglich bis wahrscheinlich.

…aber was passiert in den Spielen danach?

Die echten Gratmesser für Rapid kommen aber paradoxerweise in den nächsten zwei Wochen. Da geht es im Cup gegen Blau-Weiß Linz und in der Liga auswärts gegen die Admira und zu Hause gegen den Wolfsberger AC. Zwischendurch unterbrochen vom Rückspiel gegen Sassuolo. Die Big Points gegen Salzburg, Sturm und die Austria macht Rapid weitgehend, auch weil die Gegner mitspielen. Wie schon unter Barisic beißt man sich aber an den Kleinen die Zähne aus – weshalb letztendlich auch Büskens engagiert wurde.

Intensität dauerhaft aufrechterhalten

Für Rapid gilt es dauerhaft die Spannung und Intensität der ersten Halbzeit gegen Sassuolo aufrechtzuerhalten. Völlig egal gegen wen es geht. Gegen die Italiener gelang dies nur zu etwa 70%, gegen die Austria muss nun nach fünf sieglosen Pflichtspielen in Folge ein Lauf gestartet werden. Und das wird nur funktionieren, wenn man die beschriebene Intensität in die heißen Phasen aller Spiele, angefangen beim so wichtigen Derby, mitnehmen kann. Dann funktioniert’s allerdings sicher…

Daniel Mandl, abseits.at

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Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen