2009/10 war die letzte Saison, die Viktoria Pilsen in der Durchschnittlichkeit verbrachte. Damals wurde die Mannschaft Fünfter in der tschechischen Sechzehnerliga und holte in... Stetiges Wachstum und ein neues Stadion: Die Gründe für den Höhenflug von Viktoria Pilsen
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Tschechien-Flagge_abseits.at2009/10 war die letzte Saison, die Viktoria Pilsen in der Durchschnittlichkeit verbrachte. Damals wurde die Mannschaft Fünfter in der tschechischen Sechzehnerliga und holte in 30 Spielen 48 Punkte. Danach war das Team nie schlechter als Dritter und holte fünfmal hintereinander 63 Punkte oder mehr, also stets einen Schnitt von über zwei Punkten pro Spiel.

Aber wie wurde aus dem kleinen Fahrstuhlverein eine große Nummer, sowohl national, als auch – angehend – international? Bis in die 1990er-Jahre stiegen die Pilsener immer wieder auf und ab und wurden schließlich unter großem Aufsehen vom italienischen Unternehmen Fotbal East Ltd. gekauft. Erst im Jahr 1995 wanderte der Verein wieder in den Besitz der Plzeňská sportovní a.s., das 100% der Anteile kaufte und den Verein damit praktisch „heim holte“.

Der junge Weg

In den nächsten Jahren galt es, den immer wieder schwankenden Klub aus Tschechiens viertgrößter Stadt zu stabilisieren und für eine gute wirtschaftliche Basis zu sorgen. Legionäre hatten Seltenheitswert und einzig der eine oder andere Slowake, Ungar oder Rumäne bzw. Spieler aus anderen Ländern, die zuvor aber schon in Tschechien spielten, verirrten sich zur Viktoria. Scouting war de facto inexistent, die Mannschaft stets von jungen, tschechischen Spielern geprägt.

Der erste Meistertitel

In der Saison 2010/11 wurde Viktoria Pilsen erstmals Meister. Die beiden Slowaken Tomas Hajovsky und Marek Bakos, sowie der Georgier Dmitri Tatanashvili waren die einzigen Legionäre in einem Team, das durchaus zu begeistern wusste und guten Fußball spielte. 70 Tore in 30 Erstligaspielen erzielte Pilsen zuvor noch nie. Einer der Helden der Meistersaison, Daniel Kolár, spielt auch heute noch für die Viktoria.

Das neue Stadion

2011 wurde das alte Stadion města Plzně (Stadion der Stadt Pilsen) renoviert, nachdem es bei der Jahrhundertflut 2002 beschädigt wurde und dringend einer Erneuerung bedurfte. Dafür waren etwa zwölf Millionen Euro notwendig, wofür sich nicht nur die Stadt stark machte, sondern auch der koreanische Multikonzern Doosan, der die Arena, in der drei von vier Tribünen neu gebaut wurden, sponserte. Seitdem trägt die Heimstätte Pilsens den Namen Doosan Arena.

Leistbare Tickets

Das wiederum steigerte die Zuschauerzahlen und die Hospitality-Möglichkeiten. Die Eintrittspreise sind im internationalen Vergleich sehr niedrig: Die teuersten Karten bei Ligaspielen kosten gerademal 6,60€, wodurch Fußball in Pilsen für beinahe alle leistbar ist. Durch die nationalen Erfolge und vor allem die internationalen Ausrufezeichen, die Pilsen in den nächsten Jahren setzte, schaffte man es binnen drei Jahren eine wirtschaftliche Basis aufzubauen, die es erlaubte, seine besten Spieler nicht zwingend verkaufen zu müssen.

Vorsichtige Ablösesummen

Während früher die besten Spieler kleinerer tschechischer Klubs in die Hauptstadt wechselten, kann es sich Pilsen nun leisten, höhere Gehälter zu zahlen und diese Spieler zu halten. Bei Ablösesummen hält man sich parallel dazu vornehm zurück: Erst für zehn Spieler wurden 500.000 Euro oder mehr bezahlt. Genauso viele Spieler wechselten übrigens in derselben Preisklasse zu Rapid.

Zwei Millionentransfers in den letzten vier Jahren

Was Verkäufe ins Ausland angeht, kann Pilsen den Wienern bisher nicht das Wasser reichen. In den letzten vier Jahren gelangen zwei Millionentransfers: Petr Jiracek wechselte um 3,5 Millionen Euro zum VfL Wolfsburg und zwei Jahre später holte der SC Freiburg Vladimir Darida um vier Millionen. Allerdings angelte sich Pilsen in den letzten Jahren hohe Antrittsgelder und Siegesprämien in Champions League und Europa League, die den Verein gesund hielten und dafür sorgten, dass man in Pilsen ohne größere finanzielle Sorgen zukunftsorientiert arbeiten konnte.

Man bedient sich bei den Ligakonkurrenten

Die Vereinsphilosophie wird bereits seit vielen Jahren beibehalten und man weicht nicht von ihr ab: Das hart verdiente Geld wird nicht mit beiden Händen zum Fenster rausgeworfen und dennoch schafft man es immer wieder, sich die Top-Spieler der kleineren bzw. kleiner gewordenen tschechischen Erstligisten zu sichern. Die Nachwuchsteams des Vereins spielen international hingegen eine geringere Rolle, doch auch an der Entwicklung der Infrastruktur für die Jugend wird in Pilsen gearbeitet.

Gute Zusammenarbeit mit der Stadt

Es handelt sich hier um eine gute Symbiose zwischen Stadt und Verein. Der Kauf durch die Plzeňská sportovní a.s. war zweifelsfrei das Beste, was diesem bis vor einigen Jahren eher uninteressanten Klub passieren konnte. Die Mannschaft zahlt das Vertrauen durch Stadt und Umfeld seit einigen Jahren mit Erfolgen und gutem Fußball zurück. Und auch wenn international gelegentlich Rückschläge mit dabei sind, scheint die Erfolgsstory Pilsens noch lange nicht vorbei zu sein.

Daniel Mandl, abseits.at

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Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen