Die Austria führt in Rom, liegt dann zurück und holt einen 1:3-Rückstand auf. Eine starke kämpferische Leistung glich strukturelle Probleme aus. Prinzipielle Ausrichtungen In... Strukturprobleme, aber ein toller Kampf: Austria Wien holt ein 3:3 in Rom!
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Die Austria führt in Rom, liegt dann zurück und holt einen 1:3-Rückstand auf. Eine starke kämpferische Leistung glich strukturelle Probleme aus.

Prinzipielle Ausrichtungen

In der Defensive agierten die Veilchen in einem 4-4-1-1 mit Manndeckungen. Tatsächlich: Manndeckungen! Grünwald und Serbest deckten immer wieder ballnahe Spieler wie Gerson, Nainggolan oder Paredes und verfolgten sie sehr eng und weit, weshalb oft untypische Staffelungen entstanden.

Auf dem linken Flügel verfolgte man sehr mannorientiert, weshalb sich oft sogar eine Fünferkette bildete. Dies verschlechterte den Zugriff auf den ballfernen Halbraum erheblich, weshalb die Roma oft einfache Verlagerungen spielen konnte. Man begann recht früh zu pressen, wenngleich man die Roma die ersten zwei, drei Pässe im Aufbau unbedrängt spielen ließ und sich mehr darauf verlegte die Passoptionen zuzustellen, als wirklich Druck auf den Ball auszuüben.

Diese hohe Pressinglinie wurde auch selten passend abgesichert, weshalb die Roma  bei tieferer Zirkulation immer wieder Räume dahinter fand und bespielen konnte. Da jedoch so viele Austrianer in der letzten Linie agierten waren Folgeaktionen schwierig auszuführen.

Im Aufbau kippte Holzhauser wie gewohnt ab, Grünwald und Serbest boten sich tief an und agierten als Achter., während Larsen und Martschinko Breite gaben. Durch das dichte Zentrum versuchten die Austrianer den Ball über die Flügel nach vorne zu zirkulieren. Dort wollte man die dribbelstarken Pires und Venuto einsetzen, die sich in Duellen mit den Verteidigern durchsetzen und Hereingaben oder selbst den Abschluss suchen sollten. War dies nicht möglich, dann suchte man Kayode oder Grünwald für scharfe Pässe und Ablagen auf die Flügel, um dann erneut Venuto und Pires zu finden.

Die Roma agierte in einem 4-2-3-1-Pressing, tat es der Austria ähnlich und agierte mit Mannorientierungen. Nainggolan schob oft weit mit Serbest nach, während Totti sich an Holzhauser orientierte. Das Zentrum konnte man gut versperren, die Austria hatte Probleme in den Zehnerraum zu kommen, wenngleich sie diese Probleme auch oft in der Liga haben.

Im Aufbau agierte man im 4-3-3 mit Totti als falscher Neun – die Rolle die er schon seit Jahren so gekonnt ausfüllt. Wenn Totti sich in die Tiefe fallen ließ schob oft Nainggolan hoch ins Sturmzentrum, was die Aufgabe der falschen Neun, Überzahl im Mittelfeld zur verbesserten Zirkulation zu generieren, obsolet machte. Aber aufgrund der Austria-Mannorientierungen und den daraus folgenden Zuordnungsproblemen kamen entweder Totti oder Nainggolan frei und konnten in mehreren Situationen unbedrängt am Ballbesitzspiel teilnehmen.

Prinzipiell machte es die Austria den Römern jedoch durchaus schwer den Ball erfolgreich nach vorne zu bringen, die Mannorientierungen machten den Italienern zu schaffen. Wenig Bewegung im Freilaufen tat ihr Übriges, weshalb man in einigen Situationen den hohen Ball suchen musste. Der erste kam um die 12. Minute – hier deutete sich bereits die schwache Abstimmung in der Viererkette der Wiener an. Nur wenig später wurde diese zum Ausgleich von El Sharaawy ausgenutzt.

Austria geht mit erster Chance in Führung

Unverbundenheit im Ballbesitz ist bei der Austria nichts Neues. Bei Ballbesitz hatte man somit meist suboptimale Strukturen für erfolgreichen Spielaufbau gegen Romas Pressing. In den Umschaltmomenten agierte man jedoch stark, das Personal ist hierfür passend. So ging man in der 16. Minute nach einem Konter, einer Flanke von Kayode und einem Traumvolley von Holzhauser in Führung.

Die Freude darüber währte jedoch nur kurz, denn die Roma hatte die Schwäche der Austria bei hohen Bällen hinter die Abwehrlinie bereits erkannt: In der Viererkette stand man nicht auf einer Höhe, El Sharaawy war schon wenige Minuten zuvor der hoch agierenden Abwehrlinie davon gesprintet, wurde jedoch wegen Abseits zurückgepfiffen.

In Minute 19 blieb die Fahne zu Recht unten, Gerson chippte den Ball in den Lauf des italienischen Jungstürmers, der Almer gekonnt überhob. Gerson konnte ohne Druck den Ball spielen, dieses Tor war ein Resultat des fehlenden Balldrucks und schwieriger Abstimmung aufgrund von Mannorientierungen.

Das Spiel zeigte dann lange Zeit keine Veränderungen, Roma tat sich schwer gegen die Fünferkette der Austria und die tief davor agierenden Serbest und Holzhauser Durchbrüche zu erzielen. In der 34. Minute konnte Totti jedoch erneut einen Stellungsfehler der Abwehrkette ausnutzen, als die römische Legende nach Ballgewinn von Iturbe einen hohen Ball über die Kette zu El Sharaawy hob, der sein Doppelpack schnürte. Die Inkohärenz der Austria-Defensive war in dieser Szene erneut sichtbar, ob man nach Ballverlust aufrücken solle, schien nicht universell klar, weshalb El Sharaawy auch nicht im Abseits stand.

Umschaltende Austria sichert sich den Punkt

Die Roma agierte auch nach der Pause dominant und hatte mehr Ballbesitz, man fand auch immer wieder weite Räume vor, um den Ball sicher und effektiv zirkulieren zu lassen. Die Austrianer liefen dennoch aufopferungsvoll und schafften es in vielen Situationen die strukturellen Fehler mit schierem Willen auszubalancieren, wenngleich diese Spielweise natürlich sehr ineffizient war.

Man spielte quasi mit zwei Mannschaften auf einem Feld: Zum Umschalten blieben meist Kayode in der Spitze und Venuto leicht versetzt im Halbraum vorne, während der Rest der Mannschaft sich, nachdem die Roma das Mittelfeld der Austria recht einfach überspielt hatte, gemeinsam zurückzog und im 5-3/4-4 verteidigte.

Diese Spielweise der Austria in der Defensive war aber sehr instabil, was sich in Minute 69 auch zum dritten Mal rächte, als Florenzi nach Außenrist-Flanke von Totti per Volley das 3:1 erzielte. Wenig später kamen Tajouri und Prokop ins Spiel. Tajouri situierte sich auf den linken Flügel, während Prokop auf die Zehn ging. Taktisch veränderte die Austria nichts, man agierte weiterhin recht tief in der eigenen Hälfte, teilweise mit allen zehn Feldspielern im 5-4-1.

Nach Ballgewinn riskierte man viel und spielte sehr geradlinig und direkt nach vorne. In Minute 81 konnte man einen dieser direkten Angriffe, die man über die Flügel vortrug, nach Seitenverlagerung und flacher Hereingabe von Larsen zum Anschlusstreffer nutzen. Der junge Dominik Prokop bewies Übersicht im Abschluss und schob den Ball aus elf Metern flach ins kurze Eck. In Minute 84 war es dann Kayode, der nach Flanke nach einem kurz abgespielten Freistoß die unaufmerksame Roma-Abwehr überrumpelte und den 3:3 Ausgleich erzielte.

Fazit

Die Austria agierte aufopferungsvoll und rannte sich den Hintern ab. Nichtsdestotrotz muss man von einem etwas glücklichen Remis sprechen, denn die Römer agierten sehr nachlässig. Die strukturellen Probleme in der durch die Manndeckungen und sehr tiefe, jedoch unbalancierte Ausrichtung instabilen Austria-Defensive hätten die Italiener zu deutlich mehr Toren nutzen können. Im Gegenpressing agierte man wie bereits am Wochenende gegen Napoli sehr schwach, was der Austria gute Momente im Umschaltspiel bescherte. Diese nutzte man effektiv und kämpfte sich so zu einem 3:3.

David Goigitzer, abseits.at

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