Vier magere Pünktchen aus 16 Spielen, ein Torverhältnis von -23 und zwölf Punkte Abstand auf das rettende Ufer. Die Hinrundenbilanz des tschechischen Traditionsklubs Baník... Über Umwege nach oben? Die Zukunft von Tschechiens Tabellenletztem Baník Ostrava
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Tschechien Flagge_abseits.atVier magere Pünktchen aus 16 Spielen, ein Torverhältnis von -23 und zwölf Punkte Abstand auf das rettende Ufer. Die Hinrundenbilanz des tschechischen Traditionsklubs Baník Ostrava liest sich nicht nur verheerend – sie ist es auch. Kein Team in der Synot Liga erzielte weniger Treffer und keines musste den Ball öfter aus dem eigenen Netz fischen als Baník. Der Gang in die zweite Liga ist so gut wie sicher. Doch gerade jetzt keimt Hoffnung bei den Weiß-Blauen auf.

Der Absturz ins Bodenlose

Nach einer starken Hinrunde in der Saison 2014/15, die man auf dem fünften Tabellenplatz abschloss, war Baník nicht in der Lage seine Leistungsträger zu halten. Der U21-Nationalspieler Jan Baránek, der eine feste Größe in der Innenverteidigung darstellte, ging zum späteren Meister aus Pilsen und der slowakischen Nationalspieler Ján Greguš wechselte zum damaligen Meisterschaftsaspiranten FK Jablonec. In der Rückrunde erspielte sich die Mannschaft lediglich elf weitere Punkte und rutschte in der Tabelle bis auf Rang 13 ab. Es zeichnete sich bereits eine erschreckende Tendenz ab, die in der Hinrunde 2015/16 fortgesetzt werden sollte. Zudem verlor Baník im September seinen Kapitän Michal Frydrych an Slavia Prag. Nach der unglaublich schwachen Hinrunde mit vier Punkten aus 16 Spielen zogen es zudem die drei besten Spieler im Kader vor, das sinkende Schiff schnellstmöglich zu verlassen. Der ehemalige U-21 Nationaltorhüter Jiří Pavlenka wechselte zu Slavia Prag, der kroatische Mittelfeldallrounder Davor Kukec zum FK Teplice und der ghanaische Stürmer Francis Narh verließ Baník in Richtung Levski Sofia.

Fehlende Unterstützung

Ein weiterer Negativaspekt der Hinrunde ist die mangelnde Unterstützung der Fans. Grund dafür ist ein an sich fortschrittliches Unterfangen, das den Verein eigentlich voranbringen sollte – der Umzug ins neue Stadion in Vítkovice. Hier zeigt sich die mangelnde Kommunikation der Vereinsführung mit dem Umfeld. Zwei Faktoren wurden bei der Planung des neuen Stadions und dem damit verbundenen Umzug des FC Baník Ostrava nicht berücksichtigt.

Erstens handelte es sich nicht um einen Stadionneubau. Das neue Städtische Stadion Ostrava-Vítkovice ersetzte einen maroden Bau, in dem der kleine Lokalrivale und Drittligist MFK Vítkovice spielte. Auch in dieser Saison trägt dieses Team im schicken, neuen Stadion seine Heimspiele aus. Der Umzug des FC Baník ins Stadion des MFK Vítkovice stieß daher weder bei den eigenen Anhängern, noch bei deren Rivalen auf Anklang.

Zweitens wurde von den Verantwortlichen des FC Baník ein historischer Faktor außer Acht gelassen. Sie vergaßen nicht nur, dass die Fans ihr altes, kultiges Stadion na Bazalech liebgewonnen hatten, sie missachteten zudem, dass sich dieses im schlesischen Teil von Ostrava befindet.

Hierzu ein kleiner Exkurs:Das Flüsschen Ostravice teilt die Stadt in zwei Hälften. Der westliche Teil davon befindet sich in Mähren, der östliche in Schlesien. Im Letztgenannten befinden sich die Wurzeln des FC Baník, der im Jahr 1922 als SK Slezská Ostrava (zu deutsch: SK Schlesisch Ostrau) gegründet wurde.

Da das schlesische Erbe des Vereins für die Fans (v.a. für die Ultras) von großer Bedeutung ist, entsagten diese den Heimspielen ihren Besuch. Somit liegt Baník auf der Zuschauertabelle lediglich auf Rang neun mit im Schnitt 4.244 Zuschauer pro Spiel – für einen derartigen Traditionsverein zu wenig.

Der neue Eigentümer

Und gerade jetzt, als der Verein an seinem absoluten Tiefpunkt angekommen ist, keimt Hoffnung auf. Der in der tschechischen Öffentlichkeit kaum bekannte Milliardär Václav Brabec übernahm den Verein in der Winterpause von seinem unbeliebten Vorgänger Petr Šafarčík. Der öffentlichkeitsscheue Unternehmer verhängte bereits einen Transferstop, was Abgänge betrifft und zahlte ausstehende Gehälter an seine Spieler aus. Zudem gelang es Brabec für die Rückrunde einige Leihspieler zu gewinnen. Der Bekannteste unter ihnen dürfte der talentierte 22-jährige Mittelfeldspieler Robert Hrubý von Slavia Prag sein, der bei der Flut an Neuzugängen beim neureichen Hauptstadtklub seine Einsatzchancen in Gefahr sah. Brabec selbst beantwortete die Frage, weshalb er in einer derart aussichtslosen Lage als neuer Investor einsteige, wie folgt:

„Ich mache das, weil ich solche Herausforderungen mag. Hier gibt’s es etwas anzupacken – etwas aufzubauen. Das ist genau das was mir Spaß macht. Und das ist Baník, ein großer Klub, zu dem ich als schlesischer Lokalpatriot einen besonderen Bezug habe.“

Bleibt abzuwarten, ob es unter der Leitung von Václav Brabec gelingt den aussichtslosen Klassenerhalt doch noch zu erreichen. Sollte dies nicht der Fall sein, steht dem FC Baník Ostrava dennoch ein verheißungsvoller Neuanfang bevor. So sieht es zumindest die Vereinslegende Martin Lukeš: Ob es klappt Baník auf den rechten Weg zu führen, wird sich zeigen. Es ist auf jeden Fall Brabec‘ Ziel. Er möchte den Klub sicher nicht aussaugen. Es gäbe hier ja nicht einmal mehr etwas zu holen. Jemand, der diesen Klub in einem solch desolaten Zustand kauft, kann nur Gutes im Sinn haben. Ich jedenfalls bin optimistisch.“

Max Teubner, abseits.at

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Max Teubner