Nach dem letzten Wochenende kann Red Bull Salzburg den Meistersekt kaltstellen. Während der SK Rapid am Samstag in letzter Minute beim Wolfsberger AC den... Flexibel, konstant, unantastbar: Valon Berishas Rolle unter Oscar Garcia
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Valon Berisha_abseits.atNach dem letzten Wochenende kann Red Bull Salzburg den Meistersekt kaltstellen. Während der SK Rapid am Samstag in letzter Minute beim Wolfsberger AC den Ausgleich hinnehmen musste, erkämpften die Mozartstädter im Sonntagsspiel vor heimischer Kulisse gegen die Admira ein 1:0 und haben sechs Runden vor Schluss nun bereits sechs Punkte Vorsprung. Damit scheint Oscar Garcia bei den Bullen der dritte verschiedene Meistertrainer in Folge zu werden.

Als der Spanier sein Amt in der Winterpause antrat gab es einige Spekulationen und Diskussionen über seine Vorstellungen betreffend der Spielweise und der Kaderzusammenstellung. Erstere passte Garcia geringfügig an, personell war er aber an das bestehende Material gebunden. Dabei tat sich ein Spieler besonders hervor: Valon Berisha.

Weiträumigere Rolle als unter den Vorgängern

Neben den beiden Außenverteidigern Andreas Ulmer und Christian Schwegler sowie Torjäger Jonatan Soriano ist Berisha der einzig übrig gebliebene Akteur, der vor zwei Jahren bereits unter Roger Schmidt mindestens 1.000 Einsatzminuten zum Titel beitrug. Danach zog er sich einen Kreuzbandriss zu und konnte sich erst wieder im Frühjahr 2015 in die Stammelf spielen. Nominell übernahm er die Position von Kevin Kampl, interpretierte sie aber anders als der Slowene. Vor allem spielte er nicht gar so explosiv.

Berisha gilt zwar ohne Zweifel ligaweit zu den Spielern, die auch mit dem Ball am Fuß technisch sehr sauber dribbeln, er fokussiert sich aber in erster Linie auf das Kombinationsspiel bzw. auf das Verteilen der Bälle. Die passenden Strukturen dafür gab es letzte Saison unter Adi Hütter nur selten und im Herbst unter Peter Zeidler fast gar nicht. Nach einem Jahr als linker Mittelfeldspieler eines 4-4-2 kam Garcias sanfter Philosophiewechsel für den 23-Jährigen recht.

Ankerpunkt zwischen den Linien

Zwar agierte Berisha unter Garcia bisher zuweilen ebenfalls als linker Mittelfeldspieler oder gar Linksaußen, sein Schwerpunkt liegt aber wesentlich zentraler. Gerade wenn die Salzburger mit einer Mittelfeldraute bzw. einem Dreiermittelfeld spielten, konnte Berisha auf der Halbposition seine Stärken ideal einbringen. Er ließ sich situativ entweder fallen um dann den Ball am Fuß selbst nach vorne zu treiben oder positionierte im zweiten Drittel klug zwischen der Formation des Gegners, sodass für diesen eine klare Zuordnung sehr schwierig war.

Berisha steht dabei in aller Regel mit dem Rücken zum gegnerischen Tor und fordert den Ball direkt auf den Fuß. Je nachdem Situation und Herausrücken seines Gegenspielers entscheidet er sich anschließend entweder dafür, sich nach vorne zu drehen oder auf einen nahen Mitspieler prallen zu lassen und sich umgehend freizulaufen. In beiden Fällen bleibt die Spieldynamik hoch. Insbesondere im Zusammenspiel mit Naby Keita sorgt das immer wieder dafür, dass die Salzburger schnell und kontrolliert durchs zweite Drittel kommen.

Bessere Werte in (fast) jeder Kategorie

Aufgrund seiner Flexibilität, seiner technischen Fähigkeiten und seiner intuitiven Bewegungen ist Berisha im System von Garcia bisher der wichtigste Mittelfeldspieler – auch weil Keita aus gesundheitlichen Gründen bisher noch nicht über längere Zeit eingesetzt werden konnte. Dass er im Frühjahr noch dominanter auftritt, lässt sich auch anhand seines Radars erkennen – obwohl er bereits im Herbst in der einen oder anderen Kategorie bereits sehr gut war.

Salzburgs Ballbesitzwerte sind seit dem Trainerwechsel zwar etwas zurückgegangen, Berisha selbst konnte seine eigene Passfrequenz jedoch leicht erhöhen. Er spielt nun 54 Pässe pro 90 Minuten – noch dazu mit einer höheren Passgenauigkeit. Der Anteil an langen Pässen ist zwar etwas angestiegen, das muss jedoch nicht zwingend negative Auswirkungen haben. Merkbar zugelegt hat Berisha bei den „zählbaren“ Kategorien: er bereitet mehr Tore vor, liefert mehr Scorerpunkte und Torschussvorlagen. Vor allem aber die Zahl seiner Torschussbeteiligungen explodierte. Mit 5,2 Balleroberungen konnte er außerdem schon unter Zeidler einen für Offensivspieler sehr hohen Wert erzielen, im Frühjahr konnte er ihn sogar noch markant überbieten.

Alexander Semeliker, abseits.at

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Alexander Semeliker

@axlsem